Reisen wie in den 50er und 60er Jahren
Der Verein „Eisenbahnfreunde Niederrhein/Grenzland e.V.“ bietet von Zeit zu Zeit Ausflüge mit historischen Dampfloks und den dazu passenden Wagons an [siehe Link]. Im Mai 2026 lautete das Angebot, mit einer Dampflock Baujahr 1952 und den entsprechenden Wagons von Mönchengladbach über Viersen und Krefeld zum Eisenbahnmuseum nach Bochum-Dahlhausen zu fahren. Eindrücke von der Fahrt siehe in den folgenden Kurzvideos:
Das ehemalige Reparaturwerk der Deutschen Bahn dient der Stiftung „Eisenbahnmuseum Bochum“ [Link] als Heimstadt. Das Museum (gegründet 1977) befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerk Bochum-Dahlhausen. Das Gelände erstreckt sich auf 46.000 qm und ist heute das größte Eisenbahnmuseum Deutschlands. Mehr als 100 ehrenamtliche Helfer tragen dazu bei, Gebäude und Züge zu erhalten bzw. zu restaurieren. Das Reparaturwerk wurde in den Jahren 1916 bis 1918 erbaut und diente als Vorratslager für Kohle, Wasser, Sand und Schmierstoffen. Später konnten hier auch Reparaturen an den Loks durchgeführt werden. Zu Spitzenzeiten arbeiteten hier über 400 Mitarbeiter gleichzeitig an bis zu 50 Lokomotiven. Ende der 50er Jahre sank der Bedarf, Kohle vom Ruhrgebiet in ganz Deutschland zu verteilen. Durch die damalige Kohlenkrise (die Kohleförderung ging zurück und wurde vielfach durch Öl als Brennstoff ersetzt) wurde das Werk Bochum-Dahlhausen mehr und mehr überflüssig. Schließlich wurde es gänzlich stillgelegt.
Ich konnte mich (geboren 1953) an die selbstverständliche Nutzung von Dampfloks als Transportmittel noch gut erinnern. Der größte Teil der Mitreisenden an diesem Tag hatte wahrscheinlich eine Dampflok noch nie in Aktion gesehen. Als die Lok dampfend, zischend und qualmend in den Bahnhof einfuhr, konnte ich in vielen Gesichtern neben einer gewissen Ehrfurcht auch Schrecken ablesen, als der Lokführer einen schrillen extrem lauten Warnpfiff bei der Einfahrt auslöste. Der Zug war fast voll besetzt; ich schätze, ca. 450 Personen waren an Bord. Viele der Fahrgäste versuchten möglichst viele Details der Fahrt mit Fotos und Videos festzuhalten. Die Idee, aus dem geöffneten Fenster während der Fahrt Aufnahmen zu machen, wurde für die Unwissenden zu einem besonderen Erlebnis. Rußpartikel und Qualm legten sich auf Objektive, Gesichter und Brillen.
Züge fuhren in dieser Zeit mit durchschnittlich 80 km/h. Eil- und D-Züge fuhren 100 km/h, in Ausnahmefällen waren auch schon einmal 130 km/h möglich. Das hing hauptsächlich von der Topographie und dem Beladungszustand ab. So dauerte es 3,5 Stunden, bis der Zug in Bochum-Dahlhausen ankam. Dort wurde ich damit überrascht, dass unser Lokführer eine Frau war. Deutschlandweit gibt es zurzeit nur drei Frauen, die die Lizenz zum Führen einer Dampflock besitzen.
Die Ausbildung ist langwierig und äußerst anstrengend. Start der Ausbildung ist die Mitfahrt als Heizer. So eine Dampflock verbrennt zwischen 50 und 150 Kilo Kohle auf den Kilometer! Diese Kohle muss vom Tender (hinter dem Führerstand) mit einer Schaufel nach vorne in den Brennraum befördert werden. Damit aber nicht genug: Die bei der Verbrennung der Kohle entstehende Asche muss natürlich wieder aus der Lok herausgeschaufelt werden. Die hier fahrende Lokführerin bildet im zivilen Leben Lokführer bei der deutschen Bundesbahn aus. Sie hatte dadurch den Vorteil, dass sie die Regeln des Schienenverkehrs bereits kannte.
Neben der Kohle verbraucht so eine Dampflok auch sehr viel Wasser. Auf der hier geschilderten Fahrt wurden 16 qm Wasser (16.000 Liter) verbraucht. Da es heute auf den Bahnhöfen in der Regel keine Wasservorräte mehr gibt, hatte dieser Zug in einem umgebauten Wagon die erforderliche Wassermenge mit dabei. Der Wartungsaufwand so einer Dampflok ist enorm. Währen unseres dreieinhalbstündigen Aufenthalts waren geschätzt fünf bis sechs Personen voll beschäftigt. Unzählige Schmiernippel mussten geschmiert werden, in einer großen Anzahl von kleinen Vorratsbehältern an der Lok musste Öl nachgefüllt werden, und schließlich musste die Asche der verbrannten Kohle wieder aus der Lok geschaufelt werden.
Auf dem Museumsgelände in Bochum wird eine Vielzahl der unterschiedlichsten Lokomotiven ausgestellt. Highlight ist sicherlich eine Drehscheibe, auf denen ganze tonnenschwere Dampfloks vor die gewünschte Halle, in die die Lok einfahren soll, gedreht werden. Ein sehr großer Bereich ist dem Modelleisenbahn-Hobby gewidmet. Ich habe noch nie zuvor so ein großes Angebot aus diesem Bereich gesehen. Neben einer unüberschaubaren Anzahl von Loks und Wagons gibt es vom Bäumchen bis zu computergesteuerten Komplettanlage einfach alles, was das Herz eines Modelleisenbahners begeistern kann.
Die Reise kostete in der zweiten Klasse 79,- € – mir war das nostalgische Erlebnis jeden einzelnen Euro wert!
Matthias Dumpf für
(Dieser Bericht wurde nicht mittels KI generiert.)
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